Schimmel in der Wohnung: Erkennen, Beseitigen und Vorbeugen

Schimmel in der Wohnung erkennen, Ursachen verstehen und wirksam handeln. Was bei Schimmelbefall zu tun ist und wie Sie dauerhaft vorbeugen.

Schimmel in der Wohnung ist ein weitverbreitetes Problem, das sowohl in Altbauten als auch in modernen Gebäuden auftritt. Er zeigt sich häufig als dunkle Flecken an Wänden, in Ecken oder hinter Möbeln. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von baulichen Mängeln bis zu ungünstigem Wohnverhalten.

Ist das problematisch?

Ja, Schimmel in der Wohnung sollte immer ernst genommen werden. Er ist ein sichtbares Zeichen für überschüssige Feuchtigkeit und kann sowohl die Gesundheit der Bewohner belasten als auch die Bausubstanz schädigen. Schimmelpilze setzen Sporen frei, die eingeatmet werden und bei empfindlichen Personen Allergien, Atemwegsbeschwerden oder andere gesundheitliche Reaktionen auslösen können.

Neben gesundheitlichen Aspekten führt Schimmel zu Geruchsbelästigung, Verfärbungen und langfristig zu Schäden an Wandoberflächen, Tapeten und Möbeln. In schweren Fällen kann die Bausubstanz so weit geschädigt werden, dass umfangreiche Sanierungsmaßnahmen erforderlich sind.

Auch mietrechtlich ist Schimmelbefall relevant. Mieter sind verpflichtet, den Vermieter zu informieren. Liegt die Ursache in baulichen Mängeln, muss der Vermieter die Sanierung veranlassen. Bei erheblicher Beeinträchtigung der Wohnqualität kann eine Mietminderung gerechtfertigt sein.

Ursachen

Schimmel entsteht, wenn drei Faktoren zusammenkommen: Feuchtigkeit, geeignete Oberflächen und ausreichend Temperatur. Die häufigsten Ursachen in Wohnungen sind:

Unzureichendes Lüften Fehlender Luftaustausch führt dazu, dass die Luftfeuchtigkeit in der Wohnung steigt. Ein durchschnittlicher Haushalt gibt täglich etwa 10 bis 15 Liter Wasser an die Raumluft ab. Ohne regelmäßiges Lüften steigt die relative Luftfeuchtigkeit auf über 60 Prozent, was optimale Bedingungen für Schimmelwachstum schafft.

Falsches Heizen Zu niedrige Raumtemperaturen erhöhen die relative Luftfeuchtigkeit, da kalte Luft weniger Feuchtigkeit aufnehmen kann als warme. Räume, die dauerhaft unter 16 Grad beheizt werden, sind besonders gefährdet. Kalte Wandoberflächen begünstigen Kondensation.

Wärmebrücken An Wärmebrücken kühlen Wandbereiche stärker aus als die Umgebung. Typische Wärmebrücken sind ungedämmte Rollladenkästen, Betonbauteile in Außenwänden, Fensteranschlüsse oder Gebäudeecken. An diesen Stellen kondensiert Feuchtigkeit aus der Raumluft besonders leicht.

Kondensation Warme, feuchte Luft trifft auf kalte Oberflächen. Die Feuchtigkeit schlägt sich nieder und durchfeuchtet die Wand. Besonders betroffen sind Außenwände, Fensterlaibungen, Zimmerecken und die Bereiche hinter Möbeln.

Bauliche Mängel Risse im Mauerwerk, defekte Dachabdichtungen, undichte Fenster oder fehlende Horizontalsperren lassen Feuchtigkeit von außen eindringen. Auch aufsteigende Feuchtigkeit aus dem Erdreich oder unzureichende Dämmung können Schimmelbildung verursachen.

Wasserschäden Rohrbrüche, Leckagen an Heizungsanlagen oder Wasserschäden nach Unwetter durchfeuchten Wände, Böden und Decken. Wird die Feuchtigkeit nicht vollständig getrocknet, bildet sich Schimmel oft erst Wochen oder Monate später.

Neubaufeuchte In neu errichteten Gebäuden geben Baustoffe wie Beton, Estrich und Putz erhebliche Mengen Wasser an die Raumluft ab. Diese Baufeuchte kann über Monate bis Jahre anhalten und erfordert intensive Lüftung.

Möblierung und mangelnde Luftzirkulation Schränke direkt an Außenwänden verhindern die Luftzirkulation. Die Wand hinter dem Möbelstück kühlt aus, und Feuchtigkeit kann nicht entweichen. Es entsteht ein feuchtwarmes Mikroklima, das Schimmelwachstum fördert.

Typische Stellen für Schimmelbefall

Außenwände Schimmel tritt bevorzugt an Außenwänden auf, besonders an der Nord- und Westseite, die weniger Sonneneinstrahlung erhalten. Raumecken sind besonders betroffen, da sie geometrisch bedingt kälter sind.

Fensterlaibungen Die Bereiche um Fenster herum kühlen schnell aus. Kondenswasser sammelt sich an Fensterscheiben und läuft auf die Fensterbank. Von dort kann es in die Laibung eindringen.

Hinter Möbeln Schränke, Betten und Regale an Außenwänden verhindern die Luftzirkulation. Schimmel bleibt oft lange unentdeckt, bis Möbel umgestellt werden oder ein muffiger Geruch auftritt.

Badezimmer Hohe Luftfeuchtigkeit durch Duschen und Baden, kombiniert mit unzureichender Lüftung, führt besonders in Bädern ohne Fenster zu Schimmelbildung. Betroffen sind Fugen, Silikondichtungen, Decken und Wände.

Küche Beim Kochen entstehen große Mengen Wasserdampf. Ohne Dunstabzugshaube oder bei geschlossenen Fenstern verteilt sich die Feuchtigkeit in der gesamten Wohnung.

Schlafzimmer Niedrige Nachttemperaturen und Feuchtigkeitsabgabe durch Atmung und Schwitzen erhöhen die Luftfeuchtigkeit. Wird morgens nicht gelüftet, kann sich Schimmel bilden.

Keller Keller sind durch Erdkontakt, geringe Belüftung und niedrige Temperaturen besonders anfällig. Aufsteigende Feuchtigkeit und Kondensation im Sommer sind häufige Ursachen.

Schritt-für-Schritt: Schimmel in der Wohnung beseitigen

Bei kleinem, oberflächlichem Befall (bis etwa 0,5 m²) können Sie selbst tätig werden. Größere Flächen oder tief sitzender Schimmel erfordern professionelle Hilfe.

Schritt 1: Schutzmaßnahmen ergreifen

Tragen Sie bei der Schimmelentfernung Schutzhandschuhe, eine Atemschutzmaske (mindestens FFP2) und eine Schutzbrille. Schimmelsporen werden bei der Reinigung aufgewirbelt und sollten nicht eingeatmet oder mit Augen und Haut in Kontakt kommen.

Schritt 2: Raum vorbereiten

Schließen Sie Türen zu anderen Räumen, um eine Verteilung der Sporen zu vermeiden. Öffnen Sie das Fenster im betroffenen Raum. Decken Sie Möbel und Gegenstände in der Nähe ab oder entfernen Sie diese.

Schritt 3: Ursache identifizieren

Bevor Sie den Schimmel entfernen, klären Sie die Ursache. Prüfen Sie, ob die Wand feucht ist. Messen Sie die Luftfeuchtigkeit mit einem Hygrometer. Werte dauerhaft über 60 Prozent weisen auf Lüftungs- oder Heizprobleme hin. Untersuchen Sie, ob bauliche Mängel vorliegen.

Schritt 4: Befallene Stelle reinigen

Wischen Sie die befallene Stelle mit hochprozentigem Alkohol (mindestens 70 Prozent) oder Wasserstoffperoxid (3 bis 10 Prozent) gründlich ab. Arbeiten Sie von außen nach innen, um eine Ausbreitung zu vermeiden. Verwenden Sie Einwegtücher, die Sie anschließend in einem verschlossenen Beutel entsorgen.

Schritt 5: Trocknen lassen

Lassen Sie die behandelte Stelle vollständig trocknen. Lüften Sie den Raum gründlich. Vermeiden Sie es, die Stelle sofort zu überstreichen, da Restfeuchtigkeit vorhanden sein kann.

Schritt 6: Ursache beseitigen

Passen Sie Ihr Lüftungs- und Heizverhalten an. Lüften Sie drei bis vier Mal täglich für 5 bis 10 Minuten quer. Heizen Sie alle Räume gleichmäßig auf mindestens 16 Grad. Halten Sie die Luftfeuchtigkeit unter 60 Prozent. Stellen Sie Möbel mit mindestens 5 bis 10 Zentimeter Abstand zu Außenwänden auf.

Schritt 7: Kontrollieren

Beobachten Sie die behandelte Stelle über mehrere Wochen. Kehrt der Schimmel zurück, ist die Ursache nicht behoben. Ziehen Sie in diesem Fall einen Sachverständigen oder eine Fachfirma hinzu.

Schritt 8: Langfristig vorbeugen

Ändern Sie dauerhaft Ihre Gewohnheiten. Lüften Sie regelmäßig, heizen Sie ausreichend, reduzieren Sie Feuchtigkeitsquellen wie Wäschetrocknen in der Wohnung, und achten Sie auf ausreichende Luftzirkulation hinter Möbeln.

Häufige Fehler

Schimmel überstreichen Schimmel unter Farbe wächst weiter. Die Sporen werden nicht abgetötet, und der Befall tritt nach kurzer Zeit wieder auf. Vor dem Streichen muss der Schimmel vollständig entfernt und die Ursache beseitigt werden.

Essig verwenden Essig entfernt Schimmel nur oberflächlich. Auf kalkhaltigen Untergründen kann Essig als Nährstoff für Schimmel wirken. Alkohol oder Wasserstoffperoxid sind wirksamer.

Chlorhaltige Reiniger in Wohnräumen einsetzen Chlorhaltige Mittel sind gesundheitlich bedenklich und greifen Materialien an. Sie sollten nur im Außenbereich verwendet werden. Für Wohnräume sind sie ungeeignet.

Ursache nicht beheben Die Entfernung von sichtbarem Schimmel reicht nicht aus. Ohne Beseitigung der Feuchtigkeitsquelle kehrt der Befall zurück. Verhalten muss angepasst oder bauliche Mängel müssen behoben werden.

Zu spät reagieren Je länger Schimmel unbehandelt bleibt, desto tiefer dringt er ins Material ein. Frühzeitiges Handeln verhindert größere Schäden und reduziert Sanierungskosten.

Dauerlüften über gekipptes Fenster Gekippte Fenster sind im Winter ineffizient. Die Wandflächen kühlen aus, während der Luftaustausch gering bleibt. Besser ist Stoßlüften mit vollständig geöffneten Fenstern.

Räume nicht gleichmäßig beheizen Ungenutzte Räume werden oft nicht beheizt. Die kalten Wandoberflächen kondensieren Feuchtigkeit. Alle Räume sollten mindestens auf 16 Grad beheizt werden.

Möbel nicht abrücken Schimmel hinter Möbeln bleibt oft lange unentdeckt. Rücken Sie Schränke regelmäßig ab und prüfen Sie die Wandflächen.

Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist

Kontaktieren Sie einen Sachverständigen oder eine Fachfirma, wenn:

  • Die befallene Fläche größer als 0,5 m² ist
  • Schimmel trotz Reinigung und Ursachenbehebung wiederkehrt
  • Schimmel tief im Mauerwerk, in Dämmstoffen oder hinter Wandverkleidungen sitzt
  • Gesundheitliche Beschwerden wie Husten, Atemnot, Hautausschläge oder Allergien auftreten
  • Die Feuchtigkeitsquelle unklar ist oder in der Bausubstanz liegt
  • Ein Wasserschaden vorliegt oder vorlag
  • Mietrechtliche Auseinandersetzungen mit dem Vermieter bestehen
  • Sie unsicher sind, ob Sie den Befall selbst bewältigen können

Ein Sachverständiger für Schäden an Gebäuden analysiert die Ursache, bewertet das Ausmaß und erstellt einen Sanierungsplan. Zertifizierte Fachfirmen führen die Sanierung unter Schutzmaßnahmen durch und entfernen befallene Materialien fachgerecht.

Kurze Zusammenfassung

Schimmel in der Wohnung entsteht durch überschüssige Feuchtigkeit in Verbindung mit unzureichender Lüftung, falscher Beheizung oder baulichen Mängeln. Kleine oberflächliche Stellen können mit Alkohol oder Wasserstoffperoxid selbst behandelt werden, wenn die Ursache beseitigt wird. Großflächiger, wiederkehrender oder tief sitzender Schimmel erfordert professionelle Hilfe. Vorbeugen lässt sich durch regelmäßiges Stoßlüften, gleichmäßiges Heizen, Kontrolle der Luftfeuchtigkeit und ausreichend Abstand zwischen Möbeln und Außenwänden.

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