Ist Schimmel gesundheitsschädlich? Risiken und Schutzmaßnahmen
Welche gesundheitlichen Risiken von Schimmel ausgehen, wer besonders gefährdet ist und welche Maßnahmen zum Schutz sinnvoll sind.
Schimmel in Innenräumen kann gesundheitliche Auswirkungen haben. Die Sporen, Stoffwechselprodukte und Zellbestandteile von Schimmelpilzen werden über die Atemluft aufgenommen und können bei empfindlichen Personen Beschwerden auslösen. Das Risiko hängt von der Art des Schimmels, der Befallsstärke und der individuellen Empfindlichkeit ab.
Ist das problematisch?
Schimmel in Wohnräumen sollte immer entfernt werden, unabhängig davon, ob bereits gesundheitliche Beschwerden aufgetreten sind. Schimmelpilze setzen Sporen frei, die sich in der Raumluft verteilen und eingeatmet werden. Diese Sporen können allergische Reaktionen, Reizungen der Atemwege und in manchen Fällen Infektionen auslösen.
Besonders problematisch ist Schimmel für Personen mit geschwächtem Immunsystem, Allergien, Asthma oder chronischen Atemwegserkrankungen. Kinder, ältere Menschen und Schwangere gelten ebenfalls als gefährdeter. Auch bei gesunden Erwachsenen können langfristige Belastungen zu Beschwerden führen.
Das Umweltbundesamt und verschiedene Gesundheitsbehörden empfehlen, Schimmelbefall zügig zu beseitigen und die Ursache zu beheben. Es gibt keinen unbedenklichen Grenzwert für Schimmel in Innenräumen. Jeder sichtbare Befall sollte als Zeichen für ein Feuchtigkeitsproblem verstanden und behoben werden.
Gesundheitliche Auswirkungen
Die gesundheitlichen Auswirkungen von Schimmel sind vielfältig und reichen von milden Reizungen bis zu ernsthaften Erkrankungen. Die Art und Schwere der Symptome hängen von mehreren Faktoren ab.
Allergische Reaktionen Schimmelsporen können bei sensibilisierten Personen allergische Reaktionen auslösen. Symptome umfassen Niesen, laufende oder verstopfte Nase, gerötete oder tränende Augen, Hautausschläge und Juckreiz. Die Symptome treten typischerweise auf, wenn sich Betroffene in schimmelbelasteten Räumen aufhalten, und klingen nach Verlassen des Raumes oft ab.
Reizung der Atemwege Schimmel kann die Schleimhäute der Atemwege reizen, auch ohne dass eine Allergie vorliegt. Betroffene berichten von Husten, Halsschmerzen, Atembeschwerden oder einem Kratzen im Hals. Diese Symptome können auch bei Personen auftreten, die nicht allergisch auf Schimmel reagieren.
Verschlechterung von Asthma Personen mit Asthma reagieren besonders empfindlich auf Schimmel. Sporen können Asthmaanfälle auslösen oder verschlimmern. Betroffene berichten von häufigeren Anfällen, verstärkter Atemnot und erhöhtem Bedarf an Medikamenten.
Infektionen Bei Personen mit stark geschwächtem Immunsystem können bestimmte Schimmelpilze Infektionen auslösen. Betroffen sind vor allem Patienten nach Organtransplantationen, während einer Chemotherapie oder mit HIV. Gesunde Personen entwickeln in der Regel keine Schimmelinfektionen.
Toxische Wirkungen Einige Schimmelpilze produzieren Mykotoxine, giftige Stoffwechselprodukte. Die Belastung durch Mykotoxine in Innenräumen ist wissenschaftlich umstritten. Hohe Konzentrationen treten eher bei bestimmten Lebensmitteln auf. In Wohnräumen sind toxische Wirkungen selten nachgewiesen, können aber bei massivem Befall nicht ausgeschlossen werden.
Unspezifische Beschwerden Manche Personen berichten von Müdigkeit, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen oder allgemeinem Unwohlsein in schimmelbelasteten Räumen. Diese Symptome sind oft schwer eindeutig auf Schimmel zurückzuführen, da auch andere Faktoren wie schlechte Raumluftqualität, CO₂-Gehalt oder psychische Belastung eine Rolle spielen können.
Geruchsbelästigung Schimmel verursacht einen typischen muffigen Geruch. Dieser entsteht durch flüchtige organische Verbindungen (VOCs), die Schimmelpilze abgeben. Der Geruch ist zwar unangenehm, aber nicht zwangsläufig gesundheitsschädlich. Er weist jedoch auf einen Befall hin.
Wer ist besonders gefährdet?
Nicht alle Personen reagieren gleich empfindlich auf Schimmel. Bestimmte Personengruppen tragen ein erhöhtes Risiko.
Allergiker Personen, die bereits auf andere Allergene wie Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare reagieren, entwickeln häufiger auch eine Schimmelpilzallergie.
Asthmatiker Menschen mit Asthma reagieren empfindlich auf Schimmelsporen. Die Sporen können Asthmaanfälle auslösen oder die Symptome verschlimmern.
Personen mit geschwächtem Immunsystem Patienten nach Organtransplantation, während Chemotherapie, mit HIV oder anderen immunsupprimierenden Erkrankungen sind anfällig für Schimmelinfektionen.
Kinder Kinder, besonders Säuglinge und Kleinkinder, sind empfindlicher gegenüber Umweltbelastungen. Studien weisen auf einen Zusammenhang zwischen Schimmelbelastung in früher Kindheit und der Entwicklung von Asthma oder Allergien hin.
Ältere Menschen Mit zunehmendem Alter kann die Immunabwehr schwächer werden. Ältere Menschen reagieren empfindlicher auf Atemwegsreizungen.
Schwangere Während der Schwangerschaft sollte jede unnötige Belastung vermieden werden. Schimmel stellt ein vermeidbares Gesundheitsrisiko dar.
Chronisch Kranke Personen mit chronischen Atemwegserkrankungen wie COPD oder Bronchitis sollten Schimmelbelastung meiden.
Schritt-für-Schritt: Gesundheitsrisiken minimieren
Wenn Schimmel in der Wohnung entdeckt wird, sollten schnell Maßnahmen ergriffen werden, um die Belastung zu reduzieren.
Schritt 1: Betroffene Räume meiden
Halten Sie sich so wenig wie möglich in schimmelbelasteten Räumen auf. Schließen Sie Türen, um eine Verteilung der Sporen in andere Bereiche zu vermeiden. Schlafzimmer sollten nicht betroffen sein.
Schritt 2: Lüften
Lüften Sie betroffene Räume regelmäßig, um die Sporenkonzentration in der Luft zu senken. Öffnen Sie Fenster vollständig für 5 bis 10 Minuten mehrmals täglich. Lüften Sie quer, wenn möglich.
Schritt 3: Schimmel nicht selbst entfernen bei Gesundheitsrisiko
Personen mit Asthma, Allergien oder geschwächtem Immunsystem sollten Schimmel nicht selbst entfernen. Die Reinigung setzt Sporen frei, die eingeatmet werden können. Beauftragen Sie eine Fachfirma.
Schritt 4: Schutzmaßnahmen bei Selbstentfernung
Falls Sie den Schimmel selbst entfernen, tragen Sie Schutzausrüstung: Atemschutzmaske mindestens FFP2, Schutzhandschuhe und Schutzbrille. Arbeiten Sie bei geöffnetem Fenster und geschlossenen Türen zu anderen Räumen.
Schritt 5: Ursache beseitigen
Entfernen Sie die Feuchtigkeitsquelle. Passen Sie Lüftungs- und Heizverhalten an. Lassen Sie bauliche Mängel beheben. Nur wenn die Ursache beseitigt ist, bleibt der Schimmel dauerhaft weg.
Schritt 6: Arzt konsultieren bei Beschwerden
Falls gesundheitliche Beschwerden auftreten, suchen Sie einen Arzt auf. Erklären Sie, dass Schimmel in der Wohnung vorhanden ist. Der Arzt kann Symptome bewerten und Behandlung oder weitere Untersuchungen empfehlen.
Schritt 7: Dokumentation
Dokumentieren Sie den Schimmelbefall mit Fotos. Notieren Sie, wann der Befall entdeckt wurde und welche Maßnahmen ergriffen wurden. Dies ist wichtig für mietrechtliche Auseinandersetzungen oder bei gesundheitlichen Folgen.
Schritt 8: Professionelle Sanierung
Lassen Sie größere Befallsflächen oder wiederkehrenden Schimmel von einer Fachfirma sanieren. Diese arbeitet unter Schutzmaßnahmen und verhindert die Verteilung von Sporen.
Häufige Fehler
Schimmel ignorieren Schimmel wächst weiter und die Sporenbelastung steigt. Je länger Sie warten, desto größer werden die gesundheitlichen Risiken und die Sanierungskosten.
Symptome nicht ernst nehmen Husten, Atembeschwerden oder allergische Reaktionen werden oft nicht mit Schimmel in Verbindung gebracht. Beobachten Sie, ob Beschwerden in der Wohnung auftreten und nach Verlassen nachlassen.
Schimmel selbst entfernen trotz Gesundheitsrisiko Asthmatiker, Allergiker und immungeschwächte Personen sollten Schimmel nicht selbst entfernen. Die Reinigung setzt Sporen frei und kann Beschwerden auslösen oder verschlimmern.
Keine Schutzausrüstung tragen Auch gesunde Personen sollten bei der Schimmelentfernung Schutzmaßnahmen ergreifen. Ohne Atemschutzmaske, Handschuhe und Schutzbrille werden Sporen eingeatmet und können Haut und Augen reizen.
Ursache nicht beheben Die Entfernung von sichtbarem Schimmel reicht nicht. Ohne Beseitigung der Feuchtigkeitsquelle kehrt der Schimmel zurück und die gesundheitliche Belastung besteht weiter.
Vermieter nicht informieren Mieter sind verpflichtet, den Vermieter über Schimmelbefall zu informieren. Versäumen Sie dies, können Sie für Folgeschäden haftbar gemacht werden. Der Vermieter ist bei baulichen Mängeln zur Sanierung verpflichtet.
Keine ärztliche Abklärung bei Beschwerden Gesundheitliche Symptome sollten ärztlich abgeklärt werden. Ein Arzt kann feststellen, ob die Beschwerden mit Schimmel zusammenhängen und Behandlung empfehlen.
Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist
Kontaktieren Sie einen Arzt, wenn:
- Atemwegsbeschwerden wie Husten, Atemnot oder pfeifende Atmung auftreten
- Allergische Symptome wie Niesen, laufende Nase, Hautausschläge oder gerötete Augen bestehen
- Asthmaanfälle häufiger oder schwerer werden
- Unspezifische Beschwerden wie Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Konzentrationsstörungen in der Wohnung auftreten und nach Verlassen nachlassen
- Sie zu einer Risikogruppe gehören und Schimmel in der Wohnung vorhanden ist
Kontaktieren Sie einen Sachverständigen oder eine Fachfirma, wenn:
- Die befallene Fläche größer als 0,5 m² ist
- Schimmel trotz Reinigung wiederkehrt
- Personen mit Asthma, Allergien oder geschwächtem Immunsystem in der Wohnung leben
- Gesundheitliche Beschwerden auftreten
- Die Ursache unklar ist oder in der Bausubstanz liegt
- Mietrechtliche Auseinandersetzungen bestehen
Ein Sachverständiger analysiert die Ursache und das Ausmaß. Eine Fachfirma führt die Sanierung unter Schutzmaßnahmen durch und verhindert die Verteilung von Sporen.
Kurze Zusammenfassung
Schimmel in Innenräumen kann gesundheitliche Beschwerden verursachen, besonders bei Allergikern, Asthmatikern, Kindern, älteren Menschen und immungeschwächten Personen. Symptome umfassen allergische Reaktionen, Atemwegsreizungen, Verschlechterung von Asthma und in seltenen Fällen Infektionen. Jeder sichtbare Schimmelbefall sollte beseitigt und die Ursache behoben werden. Risikogruppen sollten Schimmel nicht selbst entfernen. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist ärztliche Abklärung sinnvoll. Professionelle Sanierung ist bei größeren Flächen, wiederkehrendem Befall oder wenn gefährdete Personen betroffen sind erforderlich.
