Luftfeuchtigkeit senken: Praktische Maßnahmen für trockene Raumluft

Wie Sie erhöhte Luftfeuchtigkeit dauerhaft senken – durch richtiges Lüften, Heizen und gezielte Anpassungen im Haushalt.

Erhöhte Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen erfordert gezielte Maßnahmen, um Schimmelbildung zu verhindern und ein gesundes Raumklima zu schaffen. Die Senkung der Feuchtigkeit erfolgt durch eine Kombination aus Lüftung, Heizung und der Reduzierung von Feuchtigkeitsquellen.

Ist das problematisch?

Ja. Luftfeuchtigkeit dauerhaft über 60% schafft ideale Bedingungen für Schimmelwachstum, insbesondere an kalten Wandoberflächen. Schimmelpilze können gesundheitliche Beschwerden wie Atemwegsreizungen und Allergien auslösen. Zudem führt hohe Feuchtigkeit zu einem unangenehmen Raumklima und kann Möbel, Textilien und die Bausubstanz schädigen.

Ohne Maßnahmen verschlimmert sich das Problem häufig, da einmal entstandener Schimmel weitere Feuchtigkeit anzieht und sich ausbreitet.

Ursachen für erhöhte Luftfeuchtigkeit

Die Hauptursachen wurden bereits in anderen Artikeln detailliert beschrieben. Zusammengefasst:

  • Unzureichendes Lüften
  • Wäschetrocknen in der Wohnung
  • Kochen und Duschen ohne Abführung der Feuchtigkeit
  • Zu niedrige Raumtemperatur
  • Bauliche Mängel (Wärmebrücken, undichte Fenster, aufsteigende Feuchtigkeit)
  • Neubaufeuchte
  • Viele Zimmerpflanzen oder Aquarien

Schritt-für-Schritt: Luftfeuchtigkeit effektiv senken

1. Luftfeuchtigkeit messen

Besorgen Sie ein digitales Hygrometer und messen Sie die Werte in verschiedenen Räumen. Nur mit konkreten Zahlen können Sie den Erfolg Ihrer Maßnahmen beurteilen. Messen Sie mehrfach täglich, um Schwankungen zu erkennen.

2. Stoßlüften als Hauptmaßnahme

Öffnen Sie die Fenster vollständig für 5-10 Minuten. Die feuchte Raumluft wird gegen trockenere Außenluft ausgetauscht. Im Winter reichen drei bis vier Lüftungsvorgänge täglich. Lüften Sie nach dem Aufstehen, nach dem Duschen, nach dem Kochen und vor dem Schlafengehen.

3. Querlüften für maximale Effizienz

Öffnen Sie gegenüberliegende Fenster oder Türen, um einen Durchzug zu erzeugen. Der Luftaustausch erfolgt dadurch in wenigen Minuten. Diese Methode ist besonders effektiv nach Ereignissen mit hoher Feuchtigkeitsabgabe.

4. Im Sommer richtig lüften

Im Sommer enthält warme Außenluft oft mehr Feuchtigkeit als Raumluft. Lüften Sie daher nur morgens und abends, wenn die Außenluft kühler ist. Tagsüber Fenster geschlossen halten, um zu verhindern, dass warme, feuchte Luft in kühle Räume gelangt.

5. Alle Räume ausreichend heizen

Heizen Sie alle Räume auf mindestens 16°C, auch wenn sie selten genutzt werden. Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Türen zwischen unterschiedlich beheizten Räumen sollten geschlossen bleiben.

6. Heizkörper freihalten

Stellen Sie sicher, dass Vorhänge, Möbel oder Wäscheständer die Wärmeabgabe nicht blockieren. Die warme Luft muss im Raum zirkulieren können.

7. Wäsche nicht in der Wohnung trocknen

Trocknen Sie Wäsche im Freien, auf dem Balkon oder in einem separaten, gut belüfteten Raum. Falls das nicht möglich ist, stellen Sie den Wäscheständer in einen Raum, in dem Sie intensiv lüften können, und schließen Sie die Tür zu anderen Räumen.

8. Beim Kochen Deckel verwenden

Kochen Sie mit geschlossenen Töpfen und schalten Sie die Dunstabzugshaube ein. Öffnen Sie während und nach dem Kochen das Fenster, um Feuchtigkeit direkt abzuführen.

9. Nach dem Duschen sofort lüften

Lassen Sie die Badezimmertür geschlossen und öffnen Sie das Fenster für 10-15 Minuten. Wischen Sie Fliesen und Spiegel trocken, damit die Feuchtigkeit nicht verdunstet.

10. Zimmerpflanzen reduzieren

Pflanzen geben durch Verdunstung Feuchtigkeit ab. Reduzieren Sie die Anzahl oder stellen Sie sie in weniger problematische Räume. Gießen Sie nur so viel, wie notwendig ist.

11. Aquarien abdecken

Offene Aquarien geben kontinuierlich Feuchtigkeit ab. Eine Abdeckung reduziert die Verdunstung erheblich.

12. Möbel mit Abstand zur Wand aufstellen

Stellen Sie Schränke und Regale mit mindestens 5-10 cm Abstand zu Außenwänden auf. Dadurch kann die Luft zirkulieren, und Feuchtigkeit sammelt sich nicht hinter Möbeln an.

13. Kondenswasser entfernen

Wischen Sie beschlagene Fensterscheiben täglich ab. Das Wasser verdunstet sonst wieder und erhöht die Luftfeuchtigkeit.

14. Luftentfeuchter einsetzen (unterstützend)

In besonders feuchten Räumen kann ein elektrischer Luftentfeuchter helfen. Es gibt zwei Typen:

  • Kondensationstrockner kühlen die Luft ab, sodass Feuchtigkeit kondensiert und in einem Behälter gesammelt wird. Sie sind effektiv bei Temperaturen über 15°C.
  • Adsorptionstrockner binden Feuchtigkeit chemisch. Sie arbeiten auch bei niedrigen Temperaturen, verbrauchen aber mehr Strom.

Luftentfeuchter sind kein Ersatz für Lüften, da sie nur Feuchtigkeit, nicht aber verbrauchte Luft (CO₂) entfernen. Sie eignen sich vor allem für Kellerräume oder bei baulich bedingter Feuchtigkeit.

15. Salz- oder Granulat-Entfeuchter (begrenzte Wirkung)

Chemische Entfeuchter auf Salzbasis sind kostengünstig, haben aber nur eine geringe Kapazität. Sie eignen sich für kleine Räume wie Abstellkammern oder Kleiderschränke, nicht jedoch für Wohnräume.

Langfristige Maßnahmen

Wenn die oben genannten Maßnahmen nicht ausreichen, können bauliche Verbesserungen notwendig sein:

Lüftungsanlage installieren: Eine kontrollierte Wohnraumlüftung sorgt für kontinuierlichen Luftaustausch ohne manuelle Fensteröffnung. Besonders in dichten Neubauten ist das sinnvoll.

Fenster austauschen: Moderne Fenster mit Dreifachverglasung halten die Innenscheibe wärmer und reduzieren Kondenswasser. Gleichzeitig sollte bei sehr dichten Fenstern eine ausreichende Lüftung sichergestellt werden.

Wärmedämmung verbessern: Eine Dämmung der Außenwände erhöht die Oberflächentemperatur und verhindert Kondensation. Wärmebrücken sollten identifiziert und beseitigt werden.

Keller abdichten: Aufsteigende Feuchtigkeit aus dem Erdreich erfordert eine nachträgliche Abdichtung, entweder durch Injektionsverfahren oder eine außenliegende Drainage.

Solche Maßnahmen sind kostspielig und sollten nur nach fachlicher Beratung durchgeführt werden.

Häufige Fehler

Fenster dauerhaft kippen: Im Winter führt das zu Wärmeverlust ohne ausreichenden Luftaustausch. Besser ist Stoßlüften.

Zu selten lüften: Einmal täglich reicht nicht aus, um die entstehende Feuchtigkeit abzuführen.

Heizung ausschalten, um Energie zu sparen: Kalte Räume erhöhen die relative Luftfeuchtigkeit und das Schimmelrisiko. Die Kosten für Schimmelbeseitigung übersteigen die Heizkosten bei weitem.

Luftentfeuchter als alleinige Lösung: Ohne ausreichendes Lüften bleibt die Raumluft verbraucht, auch wenn die Feuchtigkeit gesenkt wird.

Nur in einem Raum Maßnahmen ergreifen: Feuchtigkeit verteilt sich in der gesamten Wohnung. Alle Räume müssen berücksichtigt werden.

Bauliche Probleme ignorieren: Wenn Feuchtigkeit durch Mängel verursacht wird, helfen Lüften und Heizen nur begrenzt. Eine fachliche Begutachtung ist dann erforderlich.

Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist

Ziehen Sie einen Fachbetrieb hinzu, wenn:

  • Die Luftfeuchtigkeit trotz aller Maßnahmen dauerhaft über 65% liegt
  • Feuchte Stellen an Wänden auftreten, die nicht durch Kondensation erklärbar sind
  • Schimmel entsteht, obwohl die Luftfeuchtigkeit im Normalbereich liegt
  • Verdacht auf bauliche Mängel besteht
  • Nach einem Wasserschaden oder in Neubauten ungewöhnlich hohe Feuchtigkeit vorliegt

Sachverständige für Schäden an Gebäuden, Bautenschutzfirmen oder Energieberater können die Ursache präzise diagnostizieren und geeignete Sanierungsmaßnahmen empfehlen.

Kurze Zusammenfassung

Die Senkung erhöhter Luftfeuchtigkeit erfolgt in erster Linie durch regelmäßiges Stoßlüften drei bis vier Mal täglich bei vollständig geöffneten Fenstern. Ergänzend sollten alle Räume ausreichend beheizt, Feuchtigkeitsquellen minimiert und Möbel mit Abstand zur Wand aufgestellt werden. In problematischen Fällen können Luftentfeuchter unterstützen. Bleiben die Werte trotz dieser Maßnahmen erhöht, ist eine fachliche Begutachtung notwendig, um bauliche Ursachen auszuschließen.

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