Schimmel trotz Lüften: Ursachen und Lösungen
Schimmel kann trotz regelmäßigem Lüften auftreten, wenn bauliche Mängel oder falsches Lüften vorliegen. Wie Sie die tatsächlichen Ursachen finden und beseitigen.
Schimmel trotz regelmäßigem Lüften ist ein frustrierendes Problem, das auf tiefer liegende Ursachen hinweist.
Lüften gilt als wichtigste Maßnahme zur Schimmelvermeidung. Wenn trotz korrektem Lüftungsverhalten Schimmel auftritt, liegt meist ein baulicher Mangel vor oder die Lüftung erfolgt nicht in der richtigen Form. Dieser Artikel erklärt, warum Schimmel trotz Lüften entstehen kann und welche Maßnahmen tatsächlich helfen.
Warum entsteht Schimmel trotz Lüften?
Lüften allein reicht nicht immer aus, um Schimmel zu verhindern. Es gibt verschiedene Ursachen, die auch bei regelmäßiger Lüftung zu Schimmelbildung führen.
Bauliche Mängel und Wärmebrücken Wärmebrücken sind Bereiche in der Gebäudehülle, die stärker auskühlen als die umgebende Wandfläche. Typische Wärmebrücken sind ungedämmte Rollladenkästen, Betonbalken, Gebäudeecken oder schlecht gedämmte Außenwände. An diesen Stellen sinkt die Oberflächentemperatur, und Feuchtigkeit kondensiert, selbst wenn Sie regelmäßig lüften. Die Feuchtigkeit wird zwar aus der Raumluft abgeführt, schlägt sich aber sofort wieder an der kalten Wand nieder.
Eindringende Feuchtigkeit Undichte Dächer, defekte Regenrinnen, Risse im Mauerwerk oder aufsteigende Feuchtigkeit aus dem Erdreich führen dazu, dass Wände von außen durchfeuchtet werden. Diese Feuchtigkeit kann durch Lüften nicht beseitigt werden, da sie direkt in der Bausubstanz sitzt. Schimmel wächst an der feuchten Wand, unabhängig vom Lüftungsverhalten.
Falsches Lüften Auch wenn Sie glauben, richtig zu lüften, können Fehler passieren. Dauerhaft gekippte Fenster sind unwirksam, weil sie nur wenig Luft austauschen und die umliegenden Wandflächen auskühlen. Im Winter kann das Lüften bei geschlossener Heizung dazu führen, dass die Wände auskühlen und anschließend Feuchtigkeit kondensiert. Zu kurzes oder zu seltenes Lüften transportiert nicht genug Feuchtigkeit ab.
Zu hohe Feuchtigkeitsproduktion In manchen Haushalten entsteht mehr Feuchtigkeit, als durch normales Lüften abgeführt werden kann. Das ist der Fall, wenn viele Personen in der Wohnung leben, Wäsche in der Wohnung getrocknet wird, häufig gekocht wird oder Zimmerpflanzen Feuchtigkeit abgeben. Auch Aquarien oder Luftbefeuchter erhöhen die Luftfeuchtigkeit erheblich.
Unzureichende Heizung Niedrige Raumtemperaturen erhöhen die relative Luftfeuchtigkeit. Wenn Sie einen Raum unter 16 Grad abkühlen lassen, steigt die relative Luftfeuchtigkeit, selbst wenn die absolute Feuchtigkeitsmenge gleich bleibt. Kalte Wände können weniger Feuchtigkeit aufnehmen, und es bildet sich Kondenswasser.
Lüften zur falschen Tageszeit Lüften Sie im Sommer bei hohen Außentemperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit, bringen Sie zusätzliche Feuchtigkeit in die Wohnung. Die warme Außenluft kühlt an den Innenwänden ab, und die Feuchtigkeit schlägt sich nieder. Im Keller kann das ganzjährig ein Problem sein.
Wie erkennen Sie, ob die Ursache beim Lüften oder bei der Bausubstanz liegt?
Um die tatsächliche Ursache zu finden, müssen Sie systematisch vorgehen.
Luftfeuchtigkeit messen Verwenden Sie ein Hygrometer, um die relative Luftfeuchtigkeit zu messen. Liegt sie dauerhaft über 60 Prozent, wird nicht ausreichend gelüftet oder es entsteht zu viel Feuchtigkeit im Raum. Liegt sie unter 60 Prozent, ist die Ursache wahrscheinlich baulich.
Wandtemperatur prüfen Messen Sie die Oberflächentemperatur der Wand mit einem Infrarot-Thermometer. Liegt die Temperatur deutlich unter der Raumtemperatur, ist die Wand eine Wärmebrücke. An Stellen mit einer Wandtemperatur unter 12 bis 14 Grad kondensiert Feuchtigkeit selbst bei niedriger Luftfeuchtigkeit.
Feuchtigkeit in der Wand messen Ein Feuchtigkeitsmessgerät zeigt, ob die Wand von innen durchfeuchtet ist. Hohe Feuchtigkeitswerte deuten auf eindringendes Wasser hin.
Schimmel lokalisieren Tritt Schimmel an Außenwänden, Fensterlaibungen oder Raumecken auf, spricht das für Wärmebrücken oder Kondensation. Schimmel in der Nähe von Rohrleitungen, unter Fenstern oder in Kellerwänden deutet auf eindringende Feuchtigkeit hin.
Wiederholung beobachten Kehrt der Schimmel nach der Entfernung und trotz konsequentem Lüften zurück, liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit ein baulicher Mangel vor.
Was können Sie tun, wenn die Ursache beim Lüften liegt?
Wenn die Luftfeuchtigkeit zu hoch ist, müssen Sie Ihr Lüftungsverhalten anpassen.
Richtig lüften: Stoßlüftung statt Kipplüftung Öffnen Sie die Fenster mehrmals täglich für 5 bis 10 Minuten vollständig. Schaffen Sie Durchzug, indem Sie gegenüberliegende Fenster oder Türen öffnen. Stoßlüften tauscht die Luft schnell aus, ohne die Wände auszukühlen. Dauerhaft gekippte Fenster sind unwirksam.
Häufiger lüften Lüften Sie mindestens 3- bis 4-mal täglich. Morgens nach dem Aufstehen, nach dem Duschen, nach dem Kochen und vor dem Schlafengehen ist Lüften besonders wichtig. In Haushalten mit vielen Personen oder hoher Feuchtigkeitsproduktion kann häufigeres Lüften erforderlich sein.
Luftfeuchtigkeit kontrollieren Messen Sie die Luftfeuchtigkeit regelmäßig mit einem Hygrometer. Lüften Sie, sobald die Werte über 60 Prozent steigen. In Küche und Bad kann die Luftfeuchtigkeit nach der Nutzung kurzfristig sehr hoch sein. Lüften Sie unmittelbar danach.
Wäsche nicht in der Wohnung trocknen Wäschetrocknen setzt große Mengen Feuchtigkeit frei. Nutzen Sie einen Trockner, trocknen Sie die Wäsche auf dem Balkon oder im Keller. Wenn Sie in der Wohnung trocknen müssen, lüften Sie dabei dauerhaft.
Zimmerpflanzen reduzieren Pflanzen geben über die Blätter Feuchtigkeit ab. Reduzieren Sie die Anzahl der Pflanzen oder stellen Sie sie in gut belüftete Räume.
Aquarium abdecken Aquarien ohne Abdeckung geben ständig Feuchtigkeit ab. Verwenden Sie eine Abdeckung, um die Verdunstung zu reduzieren.
Was können Sie tun, wenn die Ursache baulich ist?
Bauliche Mängel können Sie als Mieter oder Eigentümer nicht selbst beheben. Professionelle Hilfe ist erforderlich.
Vermieter informieren Mieter sind verpflichtet, bauliche Mängel unverzüglich dem Vermieter zu melden. Dokumentieren Sie den Schimmelbefall mit Fotos und beschreiben Sie Ihr Lüftungsverhalten. Der Vermieter ist zur Sanierung verpflichtet, wenn die Ursache in einem Baumangel liegt.
Sachverständigen beauftragen Ein Sachverständiger für Schimmelschäden analysiert die Ursache und erstellt ein Gutachten. Das Gutachten ist wichtig, um nachzuweisen, dass der Schimmel nicht durch falsches Nutzerverhalten verursacht wurde.
Wärmebrücken dämmen Wärmebrücken können durch nachträgliche Dämmung behoben werden. Rollladenkästen lassen sich von innen dämmen, Fensterlaibungen können nachträglich gedämmt werden. Eine Fachfirma führt die Arbeiten durch.
Undichte Stellen abdichten Risse im Mauerwerk, undichte Fenster oder defekte Dächer müssen abgedichtet werden. Eindringendes Wasser muss an der Quelle gestoppt werden.
Lüftungsanlage installieren In Bädern ohne Fenster oder in Wohnungen mit hoher Feuchtigkeitsbelastung kann eine mechanische Lüftungsanlage erforderlich sein. Moderne Anlagen mit Wärmerückgewinnung transportieren Feuchtigkeit ab, ohne Energie zu verschwenden.
Heizung prüfen Ist die Heizung zu schwach oder ungleichmäßig verteilt, kühlen manche Räume oder Wandbereiche aus. Eine Anpassung der Heizungsanlage kann erforderlich sein.
Welche Fehler sollten vermieden werden?
Nur im Winter lüften Feuchtigkeit entsteht das ganze Jahr über. Lüften Sie auch im Sommer regelmäßig, allerdings vorzugsweise morgens oder abends, wenn die Außenluft kühler und trockener ist.
Nur bei Schimmel reagieren Warten Sie nicht, bis Schimmel sichtbar wird. Kontrollieren Sie die Luftfeuchtigkeit regelmäßig und lüften Sie vorbeugend.
Heizung beim Lüften laufen lassen Drehen Sie die Heizung während des Lüftens herunter, um Energie zu sparen. Nach dem Lüften können Sie wieder normal heizen.
Räume komplett auskühlen lassen Ungenutzte Räume sollten nicht unter 16 Grad abkühlen. Niedrige Temperaturen erhöhen die relative Luftfeuchtigkeit und fördern Schimmel.
Schimmel nur oberflächlich entfernen Die Entfernung von sichtbarem Schimmel reicht nicht aus. Die Ursache muss beseitigt werden, sonst kehrt der Schimmel zurück.
Bauliche Ursachen ignorieren Wenn Schimmel trotz korrektem Lüften auftritt, liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit ein baulicher Mangel vor. Lassen Sie die Ursache professionell klären.
Wann ist professionelle Hilfe erforderlich?
In folgenden Fällen sollten Sie einen Sachverständigen oder eine Fachfirma beauftragen:
- Schimmel kehrt trotz konsequentem Lüften und Heizen zurück
- Die Luftfeuchtigkeit bleibt trotz Lüften dauerhaft über 60 Prozent
- Die Wand fühlt sich feucht an oder zeigt Wasserschäden
- Schimmel tritt an mehreren Stellen gleichzeitig auf
- Die Ursache ist unklar
- Gesundheitliche Beschwerden treten auf
- Mietrechtliche Auseinandersetzung mit dem Vermieter
Ein Sachverständiger ermittelt die Ursache, misst Luftfeuchtigkeit und Wandtemperaturen und erstellt einen Sanierungsplan. Bei baulichen Mängeln ist der Vermieter zur Beseitigung verpflichtet.
Zusammenfassung
Schimmel trotz Lüften entsteht meist durch bauliche Mängel wie Wärmebrücken, eindringende Feuchtigkeit oder unzureichende Dämmung. Auch falsches Lüften, zu hohe Feuchtigkeitsproduktion oder niedrige Raumtemperaturen können die Ursache sein. Messen Sie die Luftfeuchtigkeit mit einem Hygrometer und lüften Sie mehrmals täglich per Stoßlüftung. Kehrt der Schimmel trotz korrektem Lüftungsverhalten zurück, liegt wahrscheinlich ein baulicher Mangel vor. Beauftragen Sie einen Sachverständigen, um die Ursache zu klären. Mieter müssen den Vermieter informieren, der zur Sanierung verpflichtet ist.
