Sicherung fliegt raus: Ursachen, Diagnose und Sicherheitshinweise
Leitungsschutzschalter oder FI-Schutzschalter löst wiederholt aus – Kurzschluss, Überlastung und Fehlerstrom erkennen, Ursachen eingrenzen und richtig handeln.
Wenn ein Sicherungsautomat im Sicherungskasten auslöst und nach dem Zurückschalten erneut auslöst, liegt ein messbares Problem in der Elektroinstallation oder bei den angeschlossenen Geräten vor. Das Zurückschalten allein löst das Problem nicht – es setzt vorübergehend den Schutz außer Kraft.
Dieser Artikel erklärt den Unterschied zwischen Leitungsschutzschalter und FI-Schutzschalter, beschreibt die häufigsten Auslöseursachen und zeigt, welche Prüfschritte ohne Fachkraft möglich sind.
Ist das ein ernstes Problem?
Ja. Sicherungsautomaten sind Schutzeinrichtungen, keine bloßen Schalter. Sie trennen den Stromkreis, wenn ein gefährlicher Betriebszustand vorliegt: zu hohe Stromstärke, Kurzschluss oder Fehlerstrom. Eine Sicherung, die auslöst, tut genau das, wofür sie gebaut wurde.
Wer einen wiederholt auslösenden Automaten einfach zurückschaltet, ohne die Ursache zu beseitigen, umgeht diesen Schutz. Im schlimmsten Fall führt das zu Überhitzung von Leitungen, Geräteschäden oder Brandgefahr.
Besonders ernst ist eine wiederholt auslösende FI-Schutzschalterauslösung. Dieser Schaltertyp reagiert auf Fehlerstrom – also auf Strom, der über unbeabsichtigte Wege zur Erde abfließt, etwa durch einen Isolationsschaden oder Feuchtigkeit in einem Gerät. Ein solcher Zustand kann bei Berührung zu einem elektrischen Schlag führen.
Mögliche Ursachen
Überlastung des Stromkreises Jeder Leitungsschutzschalter ist für eine bestimmte Stromstärke ausgelegt, häufig 16 Ampere (entspricht etwa 3.680 Watt bei 230 V). Werden gleichzeitig mehrere leistungsstarke Geräte an Steckdosen desselben Stromkreises betrieben – etwa Wasserkocher, Mikrowelle und Toaster an einer Steckdosenleiste in der Küche – kann der Nennstrom überschritten werden. Der Automat löst thermisch aus.
Kurzschluss durch defektes Gerät Ein Gerät mit beschädigtem Kabel, defektem Stecker oder internem Defekt kann einen Kurzschluss verursachen. Dabei fließt ein sehr hoher Strom, der den Automaten magnetisch und sofort auslöst. Das Gerät selbst ist danach häufig ebenfalls beschädigt.
Defekte Steckdose oder beschädigte Unterputzleitung Eine beschädigte Steckdose, ein durch Nageleinschlag gequetschtes Kabel in der Wand oder eine durch Feuchtigkeit beschädigte Leitung können einen dauerhaften Kurzschluss erzeugen. Diese Ursache ist von außen nicht erkennbar.
Fehlerstrom durch Feuchtigkeit In feuchten Bereichen – Badezimmer, Keller, Küche – kann eindringende Feuchtigkeit in Steckdosen, Leuchten oder Geräten einen Fehlerstrom erzeugen. Der FI-Schutzschalter reagiert darauf und löst aus.
Isolationsschaden an einem Gerät Ein Gerät, dessen interne Isolation zwischen spannungsführenden Teilen und dem Gehäuse beschädigt ist, leitet Spannung auf berührbare Flächen. Sobald eine Person das Gerät berührt und gleichzeitig Erdkontakt hat, fließt Strom durch den Körper – der FI-Schalter löst aus. Das Gerät ist in diesem Zustand gefährlich.
Defekter FI-Schutzschalter FI-Schutzschalter können selbst defekt werden und ohne erkennbaren Fehlerstrom auslösen. Dieser Fall ist jedoch seltener als ein tatsächlicher Fehlerstrom und sollte erst nach dem Ausschluss aller anderen Ursachen in Betracht gezogen werden.
Überlastete oder defekte Steckdosenleiste Eine minderwertige oder überlastete Mehrfachsteckdose kann intern einen Kurzschluss entwickeln. Geräte mit hohem Dauerbedarf (Kühlschrank, Waschmaschine, Gefrierschrank) sollten grundsätzlich direkt an Wandsteckdosen angeschlossen sein.
Schritt-für-Schritt: Was Sie prüfen können
Schritt 1: Art des ausgelösten Schutzschalters bestimmen Öffnen Sie den Sicherungskasten. Ein Leitungsschutzschalter (LS-Schalter) ist ein schmalerer Kippschalter mit Nennstromangabe (z. B. B16 oder C16). Ein FI-Schutzschalter (RCD) ist breiter, hat einen Prüfknopf (beschriftet mit „Test" oder „T") und ist oft mit „FI" oder dem Erdungssymbol gekennzeichnet. Beide Typen haben unterschiedliche Ursachen und erfordern unterschiedliche Prüfschritte.
Schritt 2: Betroffenen Stromkreis identifizieren Prüfen Sie, welcher Automat ausgelöst hat. Eine Beschriftung im Sicherungskasten zeigt, welchem Raum oder Stromkreis der Automat zugeordnet ist. Fehlt eine Beschriftung, lässt sich durch Ein- und Ausschalten des Automaten feststellen, welche Steckdosen und Leuchten betroffen sind.
Schritt 3: Alle Verbraucher vom betroffenen Stromkreis trennen Ziehen Sie alle Stecker von Geräten, die an Steckdosen des betroffenen Stromkreises angeschlossen sind. Schalten Sie Lichtkreise aus. Schalten Sie dann den Automaten zurück. Löst er erneut aus, obwohl kein Gerät angeschlossen ist, liegt der Fehler in der festen Installation – nicht in einem Gerät.
Schritt 4: Geräte einzeln wieder anschließen Hält der Automat nach dem Trennen aller Geräte, schließen Sie die Geräte einzeln nacheinander an. Löst der Automat nach dem Anschließen eines bestimmten Geräts aus, ist dieses Gerät defekt. Es darf nicht weiter betrieben werden.
Schritt 5: Überlastung durch Lastverteilung prüfen Wenn der Automat nicht sofort, sondern nach einiger Zeit unter Last auslöst, ist Überlastung wahrscheinlich. Prüfen Sie, welche Geräte gleichzeitig in Betrieb sind, und verteilen Sie leistungsstarke Verbraucher auf verschiedene Stromkreise.
Schritt 6: FI-Schutzschalter testen Drücken Sie die Prüftaste (Test-Knopf) am FI-Schutzschalter. Der Schalter muss sofort auslösen. Reagiert er nicht, ist der FI-Schalter selbst defekt – ein gefährlicher Zustand, der sofort von einem Elektriker behoben werden muss. Nach dem Test den FI-Schalter wieder einschalten.
Was Sie selbst reparieren dürfen – und was nicht
Erlaubt:
- Sicherungsautomat nach Identifikation und Beseitigung der Ursache zurückschalten
- Geräte vom betroffenen Stromkreis trennen
- Defektes Gerät identifizieren, außer Betrieb nehmen und ersetzen
- Prüftaste am FI-Schutzschalter betätigen
- Lastverteilung durch Umstecken von Geräten auf andere Stromkreise verbessern
Nicht erlaubt ohne Fachkraft:
- Eingriffe in den Sicherungskasten (Verdrahtung, Austausch von Automaten, Erweiterung)
- Prüfung oder Reparatur von Leitungen in der Wand
- Austausch oder Reparatur von Steckdosen und Schaltern
- Überbrücken oder Blockieren eines ausgelösten Schutzschalters
Das Überbrücken oder physische Blockieren eines Sicherungsautomaten ist verboten und gilt als grob fahrlässiger Eingriff in die Elektroinstallation. Im Schadensfall erlischt der Versicherungsschutz und es kann strafrechtliche Haftung entstehen.
Häufige Fehler
Sicherung ohne Ursachensuche mehrfach zurückschalten Das wiederholte Zurückschalten ohne Identifikation der Ursache ist der häufigste Fehler. Ein dauerhaft bestehender Kurzschluss oder Isolationsschaden bleibt dabei aktiv und kann Leitungen überhitzen.
Alle Sicherungen gleichzeitig zurückschalten Wer nicht weiß, welcher Automat ausgelöst hat, schaltet manchmal alle zurück. Damit wird nicht erkannt, welcher Stromkreis betroffen ist.
Defektes Gerät weiter betreiben Löst der FI-Schalter nach Anschließen eines bestimmten Geräts aus, ist dieses Gerät wahrscheinlich mit einem Isolationsschaden behaftet und gefährlich. Es darf nicht weiter betrieben werden, auch nicht provisorisch.
FI-Schutzschalter nicht regelmäßig testen DIN VDE 0100-600 empfiehlt, den FI-Schalter mindestens einmal jährlich durch Betätigung der Prüftaste zu testen. Ein FI-Schalter, der auf die Prüftaste nicht reagiert, bietet keinen Schutz mehr.
Steckdosenleisten dauerhaft überlasten Mehrfachsteckdosen sind für zeitweiligen Einsatz ausgelegt, nicht als permanenter Ersatz für Wandsteckdosen. Geräte mit dauerhaft hohem Strombedarf – Kühlschrank, Waschmaschine, Wäschetrockner, Backofen – müssen direkt an Wandsteckdosen angeschlossen sein.
Wann eine Fachkraft erforderlich ist
- Der Leitungsschutzschalter löst aus, obwohl alle Geräte vom Stromkreis getrennt sind
- Der FI-Schutzschalter löst wiederholt aus, ohne dass ein Gerät als Ursache identifiziert werden konnte
- Der FI-Schutzschalter reagiert nicht auf die Prüftaste
- Es ist im Sicherungskasten Geruch nach verbranntem Kunststoff wahrnehmbar oder Verfärbungen sind sichtbar
- Nach einem Wasserschaden oder einer Überschwemmung müssen betroffene Stromkreise geprüft werden
- Die Elektroinstallation ist älter als 20 bis 25 Jahre und wurde noch nie geprüft
- Es soll ein neues Gerät mit hohem Strombedarf dauerhaft installiert werden und der vorhandene Stromkreis ist dafür möglicherweise nicht ausgelegt
In Mietwohnungen ist der Vermieter verpflichtet, die Elektroinstallation in einem sicheren Zustand zu halten. Treten Schutzauslösungen auf, die sich nicht auf ein bestimmtes Gerät zurückführen lassen, liegt ein Mangel der festen Installation vor. Dieser ist dem Vermieter schriftlich anzuzeigen.
Kurze Zusammenfassung
Eine auslösende Sicherung zeigt einen realen Fehler an und darf nicht einfach übergangen werden. Zuerst alle Geräte trennen und den Automaten zurückschalten. Geräte einzeln anschließen, um das defekte Gerät zu identifizieren. Löst der Automat ohne Geräte aus, liegt der Fehler in der festen Installation. FI-Schutzschalter regelmäßig über die Prüftaste testen. Eingriffe in den Sicherungskasten oder die Elektroinstallation dürfen nur durch Elektrofachkräfte ausgeführt werden. In Mietwohnungen ist der Vermieter bei Mängeln in der festen Installation zuständig.
