Heizkörper entlüften: Anleitung und häufige Fehler vermeiden
Heizkörper richtig entlüften, Luft im Heizsystem beseitigen und Heizleistung wiederherstellen. Schritt-für-Schritt-Anleitung für alle Heizkörpertypen.
Wenn der Heizkörper gluckernde Geräusche macht oder nicht mehr richtig warm wird, befindet sich meist Luft im Heizsystem. Diese Luft verhindert, dass das heiße Wasser vollständig durch den Heizkörper zirkuliert. Das Entlüften ist eine einfache Wartungsmaßnahme, die Sie selbst durchführen können und die die Heizleistung wiederherstellt.
Ist das problematisch?
Ja, Luft im Heizsystem sollte entfernt werden. Sie reduziert die Heizleistung erheblich, da das warme Wasser nicht in alle Bereiche des Heizkörpers gelangt. Der Heizkörper bleibt teilweise kalt, obwohl die Heizung läuft. Das führt zu höheren Heizkosten, da die Heizung länger laufen muss, um die gewünschte Raumtemperatur zu erreichen.
Zudem können gluckernde Geräusche störend sein, besonders nachts oder in ruhigen Räumen. Langfristig kann Luft im System auch die Heizungspumpe belasten und deren Lebensdauer verkürzen.
In Mietwohnungen ist das Entlüften der Heizkörper oft Aufgabe des Mieters. Es gehört zur regelmäßigen Wartung und sollte mindestens einmal jährlich, am besten vor Beginn der Heizperiode, durchgeführt werden.
Ursachen für Luft im Heizsystem
Befüllung oder Nachfüllung der Heizanlage Beim Befüllen oder Nachfüllen des Heizsystems gelangt Luft in die Leitungen und Heizkörper. Nach solchen Arbeiten sollten alle Heizkörper entlüftet werden.
Undichte Stellen Kleine Undichtigkeiten an Ventilen, Verbindungen oder Heizkörpern können dazu führen, dass Luft ins System gezogen wird. Gleichzeitig entweicht Wasser, und der Druck im System sinkt.
Korrosion In älteren Heizsystemen kann Korrosion zur Bildung von Gasen führen. Diese Gase sammeln sich im Heizkörper und verhalten sich ähnlich wie Luft.
Zu niedriger Systemdruck Ist der Druck im Heizsystem zu niedrig, kann Luft an Undichtigkeiten eindringen. Der optimale Druck liegt meist zwischen 1,5 und 2 bar.
Falsche Auslegung oder Montage Wenn das Heizsystem nicht fachgerecht installiert wurde oder die Heizkörper nicht richtig positioniert sind, kann sich Luft an bestimmten Stellen ansammeln.
Wartungsmangel Wird das Heizsystem nicht regelmäßig gewartet und entlüftet, sammelt sich mit der Zeit Luft an, die die Heizleistung beeinträchtigt.
Schritt-für-Schritt: Heizkörper entlüften
Das Entlüften ist einfach und erfordert nur einen Entlüftungsschlüssel und ein Gefäß zum Auffangen des Wassers.
Schritt 1: Materialien bereitstellen
Sie benötigen einen Entlüftungsschlüssel (auch Vierkantschlüssel genannt), ein kleines Gefäß oder einen Becher sowie ein Tuch zum Schutz vor Spritzwasser. Entlüftungsschlüssel sind in Baumärkten oder im Sanitärfachhandel erhältlich.
Schritt 2: Heizung aufdrehen
Drehen Sie alle betroffenen Heizkörper voll auf. Warten Sie etwa 30 bis 60 Minuten, damit die Heizung vollständig hochfährt und die Luft nach oben steigt.
Schritt 3: Heizungspumpe ausschalten (optional)
Bei größeren Heizsystemen kann es hilfreich sein, die Heizungspumpe vor dem Entlüften abzuschalten. Dies verhindert, dass während des Entlüftens neue Luft im System verteilt wird. Warten Sie etwa fünf Minuten, bevor Sie mit dem Entlüften beginnen.
Schritt 4: Entlüftungsventil finden
Das Entlüftungsventil befindet sich meist auf der gegenüberliegenden Seite des Thermostats, oben am Heizkörper. Es ist ein kleines Ventil mit einer viereckigen oder sechseckigen Öffnung.
Schritt 5: Gefäß unter das Ventil halten
Halten Sie das Gefäß direkt unter das Entlüftungsventil, um austretendes Wasser aufzufangen. Legen Sie ein Tuch um das Ventil, um Spritzer zu vermeiden.
Schritt 6: Ventil langsam öffnen
Setzen Sie den Entlüftungsschlüssel auf das Ventil und drehen Sie ihn langsam gegen den Uhrzeigersinn. Öffnen Sie das Ventil nur etwa eine halbe bis eine ganze Umdrehung. Es sollte ein Zischen zu hören sein, wenn Luft entweicht.
Schritt 7: Luft entweichen lassen
Lassen Sie die Luft vollständig entweichen. Sobald nur noch Wasser austritt (ein gleichmäßiger Strahl ohne Luftblasen), ist die Luft entwichen. Das Wasser kann anfangs schmutzig oder trüb sein.
Schritt 8: Ventil schließen
Drehen Sie das Ventil im Uhrzeigersinn fest zu, sobald nur noch Wasser kommt. Achten Sie darauf, es nicht zu fest anzuziehen, um Beschädigungen zu vermeiden.
Schritt 9: Heizungspumpe wieder einschalten
Falls Sie die Heizungspumpe ausgeschaltet haben, schalten Sie sie wieder ein.
Schritt 10: Systemdruck prüfen
Prüfen Sie den Druck am Manometer der Heizungsanlage. Ist der Druck zu niedrig (unter 1 bar), muss Wasser nachgefüllt werden. Dies sollte bei zentralen Heizungsanlagen von einem Fachbetrieb durchgeführt werden.
Schritt 11: Alle Heizkörper entlüften
Wiederholen Sie den Vorgang bei allen Heizkörpern im Haus oder in der Wohnung. Beginnen Sie mit dem Heizkörper, der am nächsten zur Heizungsanlage liegt, und arbeiten Sie sich zu den entferntesten vor.
Häufige Fehler
Heizung nicht aufdrehen Wenn die Heizung nicht läuft, kann die Luft nicht nach oben steigen. Drehen Sie alle Heizkörper vor dem Entlüften voll auf.
Ventil zu weit öffnen Ein zu weit geöffnetes Ventil führt zu einem starken Wasseraustritt. Öffnen Sie das Ventil nur langsam und vorsichtig.
Zu früh schließen Schließen Sie das Ventil nicht, sobald die ersten Wassertropfen kommen. Warten Sie, bis nur noch Wasser ohne Luftblasen austritt.
Systemdruck nicht prüfen Nach dem Entlüften sollte der Systemdruck geprüft werden. Ein zu niedriger Druck beeinträchtigt die Heizleistung.
Nur einen Heizkörper entlüften Entlüften Sie alle Heizkörper, nicht nur den betroffenen. Luft kann sich in mehreren Heizkörpern sammeln.
Ventil zu fest zudrehen Übermäßige Kraft kann das Ventil beschädigen. Drehen Sie es nur so fest zu, dass kein Wasser mehr austritt.
Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist
Kontaktieren Sie einen Fachbetrieb, wenn:
- Die Heizkörper trotz Entlüftung nicht warm werden
- Der Systemdruck nach dem Entlüften sehr niedrig ist und Wasser nachgefüllt werden muss
- Das Entlüftungsventil defekt ist oder sich nicht öffnen lässt
- Wasser aus dem Ventil oder den Anschlüssen austritt
- Sie wiederholt Luft im System haben, ohne dass Wartungsarbeiten durchgeführt wurden
- Gluckernde Geräusche trotz Entlüftung bestehen bleiben
- Sie unsicher sind, wie die Heizungsanlage bedient wird
Ein Heizungstechniker kann undichte Stellen finden, das System fachgerecht befüllen, den Druck einstellen und die Anlage warten.
Kurze Zusammenfassung
Heizkörper sollten regelmäßig entlüftet werden, um die Heizleistung zu erhalten. Drehen Sie die Heizung voll auf, halten Sie ein Gefäß unter das Entlüftungsventil und öffnen Sie es langsam. Lassen Sie die Luft vollständig entweichen, bis nur noch Wasser kommt. Schließen Sie das Ventil und prüfen Sie den Systemdruck. Entlüften Sie alle Heizkörper, beginnend beim nächstgelegenen zur Heizungsanlage. Bei wiederkehrenden Problemen oder niedrigem Systemdruck ist professionelle Hilfe erforderlich.
